Gründung von Nationallaboratorien zur Stärkung des Wissenschaftsstandortes und der Wirtschaft
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Antragsteller: --Thilo 18:13, 18. Sep 2007 (CEST)
Antrag:
Zur Stärkung der Wissenschaft und Wirtschaft in Deutschland sollen in Bundesverantwortung stehende Nationallaboratorien für die Sparten Physik, Life Science, Chemie und Technologie, je mit einem milliardenschweren Jahresbudget, gegründet werden.
Im Zusammenhang mit der "Bildungsmisere" in Deutschland wird oft das Abwandern qualifizierter Akademiker ins Ausland, vornehmend die USA beklagt. Diese Tatsache zeigt allerdings bei genauer Betrachtung zwei Dinge: erstens kann die Bildung in Deutschland so schlecht gar nicht sein (OECD 2007), sonst würde sich das Ausland nicht um deutsche Akademiker reisen. Zweitens gibt es nicht nur Handlungsbedarf in der Ausbildung, sondern auch und v.a. in der späteren Beschäftigung der hier ausgebildeten Fachkräfte. Die Abwanderungstendenz erfolgt in praktisch allen Fällen aus finanziellen Gründen. Im Ausland stehen teilweise hierzulande unvorstellbar hohe Summen für Forschungsprojekte zur Verfügung. Diese Forschungsmisere findet bisher viel zu wenig Beachtung.
Zur Lösung dieses Problems sind konzentrierte Zentren hervorragend ausgestatteter Forschung nötig. Eine schlichte Geldverteilung an Universitäten kann das nicht leisten. Die Gründung von Bundeslaboratorien blendet die Ebene der Länder aus und vereinfacht Verwaltung und Kontrolle des Geldflusses. Da es sich bei diesen Einrichtungen explizit um Forschungs- und nicht Bildungseinrichtungen handelt, ist ein Konflikt der Zuständigkeitsbereiche zwischen Bund und Ländern ausgeschlossen. Die Finanzierung kann direkt aus dem Bundeshaushalt ohne Umwege über die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder Bildungshaushalte gehen.
Die für die Nationallabors vorgesehenen Fachbereiche umfassen Schlüsseltechnologien wie Medizin, Gentechnik und Biologie (Life Science), Materialwissenschaft, Energieversorgung, (Physik, Chemie), Robotik, Künstliche Intelligenz, Raumfahrt, Informatik (Technologie), sowie die sonstige den jeweiligen Fachbereichen zuzuordnende Grundlagenforschung. Diese Aufteilung zeigt den zu erwarteten Hebeleffekt auf die Wirtschaft: neben kosten- und zeitintensiver Grundlagenforschung, die oft nach Jahrzehnten wirtschaftlich verwertbare Ergebnisse bringt, ist auch über zahlreiche Firmengründungen mit einer Belebung der Wirtschaft zu rechnen. Die regional um die Forschungseinrichtungen zu erwartende wirtschaftliche Belebung durch die notwendigen Dienstleistungen im Gebäudetechnik- und Baubereich, sowie in der Verwaltung ist, wenn auch nicht primär Sinn und Zweck der Einrichtungen, nicht zu vernachlässigen.
Während die Einrichtungen vorwiegend dazu geschaffen werden, um ausgebildete Fachkräfte im Land zu halten, stellen die Nationallaboratorien natürlich eine hervorragende Möglichkeit zum intensiven Anwerben ausländischer Spitzenkräfte dar. Die volkswirtschaftlich nachteilige Abwanderung kann somit umgekehrt werden und einen doppelten Gewinn für die deutsche Volkswirtschaft ergeben. Die finanzielle Ausstattung solcher Einrichtung muss sich am Maßstab internationaler Spitzenforschunseinrichtungen orientieren, was ein Jahresbudget im Bereich ab 1 Milliarde € je Nationallabor und Jahr erfordert (vgl. Harvard: 2,6 Milliarden $/a). Die Ausgaben des Bundes für Forschung betrugen im Jahr 2007 mit 8,5 Milliarden € weniger als 3,2% des Gesamthaushaltes, was unter dem Durchschnitt der Industrieländer liegt. Im besten Fall sollte hier eine Erhöhung auf 6% des Bundeshaushaltes vorgenommen werden, was einem Budget von etwa 7,7 Mrd. € für alle Laboratorien entsprechen würde. Ein Budget von 4 Mrd. € entspräche einem Anteil von 4,6% am Bundeshaushalt, was im Vergleich der Industrieländer Durchschnitt ist.
Zur Finanzierung ist eine Ausgabenverteilung im Bundeshaushalt unerlässlich, und gestaltet sich daher schwierig. Trotz des eindeutigen Investitionscharakters der Ausgaben sollte ein Schuldenfinanzierung unbedingt unterlassen werden. Sollte sich die Finanzierung als zu schwierig herausstellen, sollte der Aufbau der Forschungsinfrastruktur schrittweise Erfolgen. In diesem Fall sollte bei der Einrichtung des NL für Physik begonnen werden, da die Physik Schlüsseldisziplin und Schnittmenge zu den anderen Fachbereichen ist.
Zur erweiterten Wirtschaftsförderung neben den schon angesprochenen Hebeleffekten, können die aus den Bundeslaboratorien und seinen Forschungsprojekten hervorgehende Gründerunternehmen eine spezielle Förderung, z.B. indirekt über besondere Steuervorteile erhalten. Damit kann sichergestellt werden, dass das gewonnen Know How auch direkt vor Ort angewendet und weiterverwendet wird, und nicht ins Ausland abwandert.
| MV | BeKo | LaKo | BuKo |
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