Jugendgewalt kanalisieren

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Antragsteller: Peter 13:55, 4. Feb. 2010 (UTC)--

Antrag:

Der Kongress möge beschliessen:

Die Jungen Liberalen setzen sich dafür ein, dass die Alltagswelt kindgerecht gestaltet wird.

Kindgerecht bedeutet dabei für die Jungen Liberalen nicht: Risikolos, steril und langweilig, sondern: Den Bedürfnissen von Kindern angepasst. Zu den kindlichen Bedürfnissen zählen Bewegung und auch Ausleben von Aggression, Festlegen einer Rangordnung, Erkunden der Umgebung, Erschließung von Freiräumen etc..

Diese natürlichen Bedürfnisse dürfen nicht weiter aus dem Blickwinkel einer Beurteilung kindlichen Verhaltens verurteilt werden, die dazu geführt hat, dass heute größere Teile der Kinder mit Ritalin und anderen Psychopharmaka behandelt wird.

Über-Behütung von Kindern, Beschränkung der Freiheit von Kindern aus Angst vor Krankheiten und Kinderschändern und ständige Ausweitung der Kontrolle durch zunehmende Ganztages-Betreuung und Ganztags-Schule sind schädlich für die Entwicklung eigenständig denkender, selbständiger und selbstbewusster Kinder.

Die Jungen Liberalen fordern darum ein Umdenken in der Kinder-, Bildungs- und Stadtplanungspolitik. Im Tagesablauf von Kindern ist Zeit für eigenständige Tätigkeiten ohne Betreuung vorzusehen; in der Stadtplanung sind Areale wie z.B. Parks oder kleine Waldflächen vorzusehen, wo Kinder unbeaufsichtigt spielen können. Die Beurteilung von Kindern als behandlungsbedürftig auffällig ist zu überdenken.

Jugendgewalt

Es ist immer die Rede davon, dass die Jugend gewalttätiger und verrohter wird. Diese Tendenz wird allerdings angeblich schon seit über 2000 Jahren beobachtet ("O tempora, O mores!").

Fakt ist, dass noch in den 50ern Prügeleien und heute als "Scheisse bauen" bekannte Tätigkeiten, z.B. Mobbing von Mitmenschen / Sachbeschädigung (damals: Streiche), auch mit Einsatz von heute verbotenen Waffen (Schleudern), durchaus üblich waren.

Der - früher als guter Kinderfilm angesehene - brutale Gewaltfilm "Krieg der Knöpfe" illustriert die unvorstellbaren psychischen Demütigungen, die sich zwei Banden von an der Grenze zur Schulverweigerung stehenden Problemkindern in Frankreich gegenseitig zufügen, kombiniert mit Waffeneinsatz (Taschenmesser, Schleudern, Stöcke) und brutaler Gewalt (Treten, Schlagen).

Aggressionen gegen Lehrer (die ich persönlich für verständlich und unvermeidbar halte) gelten heute als auffällig und therapiebedürftig.

Für mich stellt sich die Frage, ob nicht die Umgebung, in der Kinder und Jugendliche heute leben und in der Gewalt weitgehend geächtet ist, einfach keinen Raum mehr für den Abbau des natürlichen Gewaltpotentials bietet, das Kinder und Jugendliche möglicherweise in dieser Lebensphase einfach haben.

Wo sollen denn Jugendliche mit ihren Jugendlichen-Problemen und ihrem Bedürfnis nach Selbsterfahrung hin? Man kann beim besten Willen nicht jeden Tag in der Woche Sport machen oder an interessanten Schulaktivitäten teilnehmen. Wie ich schon früher behauptet habe, gibt es keine Konzepte, was Jugendliche im urbanen Raum idealtypischerweise tun sollten, und zunehmend weniger Möglichkeiten, Aggressionen abzubauen, denn jede aggressive Äußerung gilt ja schon als Problem.

Früher gab es ja Ideologie-basierte Jugendgruppen (Pfadfinder, FDJ etc.), die den Jugendlichen was zu tun gegeben haben. Heute gibt es eigentlich gar nichts, nur wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist gibt es Boxkurse für Asos etc..

Meine Vorstellung ist, dass die Julis/FDP Konzepte entwickelt, wie man Jugendlichen den Umgang mit Gewalt vermitteln und Aggressionen kanalisieren kann, ohne Gewalt als natürliche Komponente des Lebens zu verleugnen oder Aggressionen zu verteufeln. Jeder weiss, dass die Regeln der Erwachsenenwelt (man zeigt z.B. Leute, die einem eine reinhauen, einfach mal an und verklagt sie auf Schmerzensgeld) in der Jugendlichen-Welt zumindest scheinbar nicht funktionieren, und dass es faktisch immer gewisse Konflikte um z.B. die Klassen-interne Hackordnung gibt, und damit verbunden auch psychische und physische Gewalt.

Doch diese Tatsachen werden von der Gesellschaft und der Schule verleugnet. Diese Haltung und der Versuch, Aggressionen und Gewalt von Jugendlichen zu unterdrücken bzw. zu verleugnen, sind nicht zielführend, und müssen darum geändert bzw. aufgegeben werden.

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